PutzVerstehen - CastellBerges

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PutzVerstehen

NurPutz
Putzverstehen ist ganz einfach und unmöglich:
Glauben Sie nur Fachleuten, aber keinen Prospekten

Es gibt nassforsche Verkäufer, die gerade vom Hersteller 'gebrieft' wurden und glänzende Prospekte, aber einen Fachmann erkennen Sie daran, daß er bescheiden ist und eingesteht, das er Putz nicht wirklich versteht, sondern nur Erfahrungswerte hat, die sich bewährt haben.

Ausgehend von Fragen jenseits der 'magischen Sieblinie' oder der 'Diffusionsoffenheit' ist Putz(mörtel) wie anderer Mörtel einfach nur 'Konfitüre', 'Zusammengemachtes' wie Beton und dies kann man anhand von 'Leim' und den Zuschlägen und Armierungen verstehen.

Beton oder Mörtel lieben Druck und hassen Zugbelastungen und darum kann man 'ewig' haltbare Konstruktionen aus künstlichem Stein erstellen, die durch Bögen Druckkräfte ableiten und da sind die gothischen Kathedralen oder die römischen Bauten die perfekten Belege. (Beim Pont du Gard nahe Nîmes haben die Römer sogar zum Teil nur die Steine aufeinandergestapelt, was seit rund 2.000 Jahren hält.)

Putz ist dagegen einfach nur an eine Fläche angeklebt, die meist senkrecht ist. Darum führt ein Versagen der Verbindung zum Versagen der Haftung, auch wenn es soviele 'hohle Vorsatzwände' gibt, wo sich eine ganze Putzschicht vom Mauerwerk gelöst hat und noch viele Jahre hält. (Dies kann man natürlich mit Hinterfüllung oder Injektionen beheben.)

Für Putz ist die innige Verbindung mit dem Untergrund so wichtig und darum gibt es die Regel, das der Putz elastischer sein soll als der Untergrund. Er muß die Spannungen ausgleichen und darum ist ein harter Putz durchaus anfälliger als ein elastischer Putz. Dies gilt auch für die Fälle, wo ein Gebäude Risse hat, denn man hat die Wahl dazwischen, dass die Risse vom Putz ausgeglichen werden oder durch den Putz gehen, wenn der Putz perfekt verkrallt ist mit dem Untergrund ... oder ganze Putzfläche abscheren, wenn der Putz zu hart ist und keine Verbindung halten kann.

Daraus ergeben sich die ganzen grundsätzlichen Anforderungen an den Putz:
  1. Elastizität des ausgehärteten Materials höher als der des Putzuntergrundes
  2. Haftung am Untergrund höher als der innere Widerstand, die innere Härte

Zu Punkt 1 ergibt sich die Problematik die Systemintegrität des Putzkörpers einschätzen zu können, was bei historischen Gebäuden naturgemäß schwieriger ist als bei modernen Häusern mit Bodenplatte, weil historische Gebäude fließen (was sich jetzt dramatischer sich anhört, als es im Normalfall ist nach Setzung), währenddessen moderne Gebäude in Deutschland fast traumhafte Gründungen, Fundamente haben, die nur noch durch Pfahlgründung oder Felsanker zu übertreffen sind. Diese Art von Gründung (und die Abwesenheit von Erdbeben) ist die Voraussetzung für die horizontal geklebten Mauern ohne Mauermörtel in den Stoßfugen und warum man solche Steinstapel mit vernachlässigbarem Lagerfugenmörtel-Anteil, d.h. ohne Elastizität bauen kann.

Zu Punkt 2 gibt es eine grobe und eine feine Ebene, weil allein schon durch die Geometrie der Putztragefläche kann man Haftung generieren, was ja auch die Begründung für den Putzkamm ist. Ein rauer Bimsbetonstein ist von daher besser als ein glatter Porenbetonstein. Die perfekte Grob-Oberfläche wird gezeigt durch Betonschutzplatten aus PE, die mit Ankern ausgerüstet sind, oder durch Lewis-Platten, die durch übergreifendes Profil sich verkrallen, doch auf der feinen Ebene agiert man entweder traditionell oder petrochemisch, weil eigentlich bis auf die Plastikkleber wußten es die Handwerker auch schon früher und haben (nach Aussage von Fliesenlegern) früher bessere Oberflächen für Fliesungen hinterlassen als heute mit DIBt, Normen, Vergütung, PiPaPo ... allein "Wasser, Wasser, Wasser!" war wohl wirksamer als "Plaste, Plaste, Plaste" ...
(Der Autor vermutet, daß nicht nur beim Kalkkreislauf, sondern auch sonst es vorteilhaft ist, wenn Untergrund, Mörtelleim und Zuschlag eine gewisse Verwandschaft haben, möglichst aus den gleichen Grundmaterialien sind ... aber da wird es abgedreht, wenn es nicht um Kalkbruchsteine, Kalkmauermörtel mit Kalksand, Kalkputz aus dem gleichen Steinbruch geht ... denn auch so halten Häuser Jahrhunderte ... und auch gegen petrochemische Vergütungen ist der Autor nicht grundsätzlich ... wenn das System auch nach deren Zerfall noch funktioniert.)

Da man aber in der Regel nicht solch perfekte Bedingungen hat, wo aus Stein wieder Stein werden kann, muss man das Beste daraus machen, was man hat, muss man sich arrangieren und auch mit wechselnden Untergründen zurechtkommen:
  • Gute Untergrundvorbereitung, d.h. Säubern, Aufrauen, Wässern
  • Auffangstrukturen für Mörtel (oder Beton), d.h. Gewebe etc., die auch Armierung sind, die umspritzt wird
  • 'Kleister' oder 'Kleber' im Mörtel, damit er bis zur Aushärtung an der Wand bleibt
    (Besonders wichtig bei Spritzbeton, der mit hoher Geschwindigkeit 'geschossen' wird, damit nicht die Körnung zurückspringt und auf dem Boden landet.)

  • Fasern und Stacheln für 3D-Armierung (oder auch 3D-Gewebestrukturen wie von Solidian oder VFraas)
  • Kantige Zuschläge, die gestapelt werden können
  • Verbindung über die Fläche durch Gewebe, Vliese, Gewirke, Gelege

Anhand dessen kann man eine Einordnung der Materialien vornehmen und wird feststellen, daß es traditionelle einfache Putzmörtel gibt, 'hochvergütete' (= Schmiermittel und Kleber) Putzmörtel und (WDVS-)Armierungsmörtel, die man wohl als 'höchstvergütete' Mörtel bezeichnen könnte, wenn man nicht zur Auffassung käme, das der Mineralanteil wohl zuerst Füllstoff und UV-Blocker ist und der Mörtelleim Kunstharz.

Gerade (im Oktober 2016) wird von Sakret in Baumärkten eine Kampagne gefahren, um den Unterschied zu den Billigputzen aufzuzeigen, aber mit der Intonacatrice Tigre, dem PutzSpritzTiger interessieren einen die Probleme nicht, weil man einen guten Putz als Grundlage schaffen kann ... und schon nach (2)50 Säcken hat sich die Intonacatrice Tigre refinanziert.
Ideen schaffen gebaute und gelebte Realität
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